ePA-Fachtag diskutiert Umsetzung und Zukunft der "ePA für alle" mit Leistungserbringern
"Wir diskutieren, was die Praxis bewegt" - unter diesem Motto haben wir vergangene Woche den "ePA-Fachtag" in Erlangen veranstaltet. Wir können zusammenfassend sagen: Es gibt einiges, was die Praxis bewegt! Von Fragen zu den Basics der ePA bis hin zu ganz konkreten Fällen, Bedenken, Wünschen haben wir allen Stimmen der ambulanten Leistungserbringer Gehör geschenkt und gemeinsam besprochen, wie die ePA zum Erfolg werden kann.
In einer Keynote durch die gematik und die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) haben Maike Frieben, selbst ausgebildete Ärztin und Produktmanagerin für die ePA, und Monika Schindler, Leiterin Digitalisierung, zu Beginn des Fachtags alle Teilnehmenden auf einen Stand gebracht. In einem Crashkurs "Was ist die ePA für alle" wurden die Basics rund um die ePA vermittelt.
Es folgten Einblicke in die drei Modellregionen, in denen die "ePA für alle" aktuell pilotiert wird. Seit Januar 2025 werden die teilnehmenden Praxen mit den Grundlagen der ePA vertraut gemacht und testen verschiedene Anwendungsfälle, wie beispielsweise die Eröffnung eines Behandlungskontextes, den Upload in die ePA, den Download von Dokumenten und die Nutzung der Medikationsliste. Darüber hinaus geben die Praxisteams Feedback zur Qualität der Umsetzung der ePA in den PVS-Systemen. In Hospitationen und Befragungen werden weitere Erfahrungswerte erfasst. Zeitgleich laufen seitens der KVB und der gematik verschiedene Kommunikations- und Informationsmaßnahmen, wie verschiedene Veranstaltungsformate, ausführliche FAQs oder auch die Möglichkeit sich ein eigenes "ePA-Infopaket" für die Praxis zu bestellen. Als Tipps geben die beiden Referentinnen mit, dass es besonders wichtig ist die "Basics" rund um die ePA zu beherrschen und auch die Info-Angebote der jeweiligen PVS-Hersteller wahrzunehmen. Aus den Hospitationen berichtet die KVB, dass vor allem die elektronische Medikationsliste gut ankommt. Rein technisch gesehen läuft die ePA zunehmend stabil, häufig gibt es, abhängig vom PVS, jedoch Unzulänglichkeiten in der Umsetzung. Auch lange Ladezeiten werden immer wieder genannt. Als Tipp empfiehlt die KVB den Praxen die eGKs der Patienten nach einem Update noch einmal einzulesen, um Zugriff auf die ePA zu erhalten.
Nach diesem Einblick in die Modellregionen folgte ein Ausblick seitens der gematik, auf die Funktionen, die noch in die ePA integriert werden sollen. Darunter eine Volltextsuche, ein einrichtungsübergreifender Medikationsplan inkl. Arzneimittelrelevanter Zusatzinfos und der sukzessive Ausbau strukturierter Daten wie Labordaten, Krankenhausentlassbriefe und Bilddaten.
In einer anschließenden interaktiven Fragerunde konnte die Teilnehmenden ihre individuellen Fragen stellen. Hier zeigte sich ein bunt gemischtes Bild von grundlegenden Fragen zum Verständnis rund um die ePA bis hin zu speziellen Fällen.
Auf die Keynote folgten zwei Workshops, welche die Teilnehmer im Wechsel besuchen konnten. Dabei wurde zum einen die inhaltliche Umsetzung der ePA in den Praxisverwaltungssystemen (PVS) vorgestellt. Hierbei konnten die Teilnehmenden zwischen den beiden Anbieter medatixx und CGM Medistar wählen. Beide Hersteller zeigten in Live-Vorführungen, wie Daten in die ePA hochgeladen und wie diese dort strukturiert werden. In einem weiteren Workshop stellte Stefan Spieren, der selbst als Arzt tätig ist, gemeinsam mit der gematik verschiedene Ideen und Konzepte vor, die ePA in den Versorgungsalltag zu integrieren. Dabei brachten Leistungserbringer unter den Teilnehmenden ein, dass sie die ePA als positiv empfinden, da man dadurch mehr Infos zur Verfügung hat. Ein weiterer Teilnehmer äusserte sich, dass die Stimmung rund um die ePA weniger aufgeregt sein sollte, da diese mehr oder weniger ein "Abfallprodukt" des Versorgungsalltags sei, also etwas das so oder so entsteht und nun sinnvoll genutzt werden kann. In der Runde waren auch einige Psychotherapeuten dabei, die sich Sorgen um das Bereitstellen von sensiblen Daten machten und das Thema Stigmatisierung und die sogenannten "F-Diagnosen" (Psychische und Verhaltensstörungen) ansprachen.
In der abschließenden Paneldiskussion kamen gematik, bvitg, Krankenkassen, Patientenvertreter und Leistungserbringer zusammen, um abschließend gemeinsam zu diskutieren, was es braucht, damit die ePA zum Erfolg wird. Zu den zentralen Aspekten der Podiumsdiskussion gehören die folgenden O-Töne und Vorschläge der Panelisten:
- Leistungserbringer müssen die Benefits der ePA spüren, erst dann wird sie zum Selbstläufer
- Der Kommunikations- und Informationsfluss darf nicht abbrechen, allerdings müssen sowohl Leistungserbringer als auch Patienten selbst aktiv werden und sich die notwendigen Infos einholen - darin sind sich alle einig
- "Mehr machen, weniger meckern" - es wurden auch in der Vergangenheit bereits Digitalisierungsprojekte eingeführt, die mittlerweile laufen, wie beispielsweise das eRezept - so wird es sich mit der ePA in einigen Jahren auch verhalten.
- Es werden weitere technische Möglichkeiten, wie KI und Diagnoseunterstützungstools kommen, auch das wird noch einmal Änderungen mit sich bringen
- Ein bundesweiter Rollout sollte sanft erfolgen, ohne Verpflichtungen oder Sanktionen auszuweiten
- Die ePA sollte erst einmal eingeführt werden, das benötigt Zeit und Geduld - dann kann man sie weiterdenken
Der ePA-Fachtag hat uns erneut gezeigt, wie wichtig die Aufklärungsarbeit rund um die ePA ist - nicht nur auf der Patientenseite, sondern auch auf Seiten der Leistungserbringenden. Wir freuen uns sehr über die positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden und bedanken uns bei gematik, KVB, Arztpraxis Spieren & Kollegen, CGM, medatixx, AOK und Data Saves Lives, die diesen Tag durch ihre Beiträge bereichert haben. Ein weitere Dank gilt unseren beiden Partnern, Bayern Innovativ GmbH und Medical Valley EMN e.V., die diesen Tag gemeinsam mit uns vorbereitet und geplant haben. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit allen Akteuren.