Zum Hauptinhalt springen

UP2DATE



Bleiben Sie über aktuelle Entwicklungen zum Thema auf dem Laufenden

Erfolgreich ein Konsilnetzwerk aufbauen – unsere Erfahrungen aus der Praxis

Erfolgreich ein Konsilnetzwerk aufbauen – unsere Erfahrungen aus der Praxis

Die medizinische Versorgung wird zunehmend spezialisierter. Gleichzeitig steht die notwendige fachärztliche Expertise nicht überall zur Verfügung, insbesondere in kleineren Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken oder Pflegeeinrichtungen. Telemedizinische Konsilnetzwerke schaffen hier eine Möglichkeit, medizinisches Expertenwissen standortunabhängig verfügbar zu machen und den fachlichen Austausch zu erleichtern.

Ein telemedizinisches Konsilnetzwerk aufzubauen klingt zunächst einfach: Plattform auswählen, Partner einladen und loslegen. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass der Erfolg selten an der Technik scheitert. Viel häufiger sind unklare Prozesse, fehlende Verantwortlichkeiten oder unrealistische Erwartungen die eigentlichen Hürden.

Im Interview mit unserem Geschäftsführer und Leiter Forschung & Entwicklung, Dr. Asarnusch Rashid, klären wir die wichtigsten Fragen rund um den Aufbau und Betrieb eines Konsilnetzwerks. Zudem haben wir sieben Punkte identifiziert und eine Checkliste erstellt, die Sie bei der Umsetzung in der Praxis unterstützen sollen. 

Erfolgreiche Netzwerke entstehen meist schrittweise.

Wir empfehlen, mit einer klar definierten Fragestellung, einer Fachrichtung und wenigen engagierten Partnern zu starten.

Dr. Asarnusch Rashid

Was wird beim Aufbau eines Konsilnetzwerks am häufigsten unterschätzt?

Dr. Asarnusch Rashid: Viele Einrichtungen beschäftigen sich zu Beginn vor allem mit der Auswahl der passenden Plattform. Unsere Erfahrung zeigt jedoch: Die entscheidenden Fragen sind organisatorischer Natur. Wer darf Konsile anfordern? Welche Informationen werden benötigt? Wer übernimmt die Bearbeitung? Wenn diese Prozesse klar definiert sind, kann die Technik gezielt unterstützen und erfolgreich eingesetzt werden.

Wann funktioniert ein Konsilnetzwerk aus deiner Sicht wirklich gut?

Dr. Asarnusch Rashid: Ein Konsilnetzwerk funktioniert dann gut, wenn es ein natürlicher Bestandteil des Arbeitsalltags wird. Mitarbeitende sollten nicht jedes Mal überlegen müssen, ob ein Konsil sinnvoll ist, sondern wissen, dass in bestimmten Situationen die digitale Experteneinschätzung einfach zum etablierten Versorgungsprozess dazugehört.

Welche technischen Voraussetzungen müssen Einrichtungen schaffen, bevor sie ein Konsilnetzwerk starten?

Dr. Asarnusch Rashid: Die technischen Anforderungen werden häufig überschätzt. In der Regel braucht es keine besondere Spezialhardware, sondern vor allem eine zuverlässige digitale Grundausstattung. Dazu gehören geeignete Endgeräte wie PCs, Laptops oder Tablets, eine stabile Internetverbindung sowie sichere Zugänge zur Konsilplattform.

Je nach Fachbereich können zusätzliche Komponenten sinnvoll sein. In der Wundversorgung oder Dermatologie spielen beispielsweise Kameras oder mobile Geräte zur Aufnahme und Übertragung von Bildern eine wichtige Rolle. Für Videokonsile werden entsprechende Audio- und Videokomponenten benötigt.

Aus unserer Erfahrung ist aber nicht die einzelne technische Ausstattung der entscheidende Faktor. Viel wichtiger ist, dass die Lösung einfach in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden kann. Wenn Mitarbeitende ein Konsil unkompliziert vom Arbeitsplatz oder direkt am Patienten durchführen können, steigt die Akzeptanz deutlich.


Asynchrones Konsil oder Videokonsil – was funktioniert besser?

Dr. Asarnusch Rashid: In der Praxis zeigt sich, dass der Großteil der Konsile asynchron bearbeitet werden kann. Wenn die relevanten Informationen strukturiert vorliegen und beispielsweise aussagekräftiges Bildmaterial vorhanden ist, reicht dies häufig bereits für eine fundierte fachärztliche Einschätzung aus.

Videokonsile bleiben dennoch wichtig – insbesondere bei komplexen Fragestellungen, gemeinsamen Patientenbeurteilungen oder wenn ein direkter Austausch zwischen den Experten erforderlich ist.

Welchen Rat würdest du Einrichtungen geben, die ein Konsilnetzwerk aufbauen möchten?

Dr. Asarnusch Rashid: Nicht versuchen, sofort alles abzubilden. Erfolgreiche Netzwerke entstehen meist schrittweise. Wir empfehlen, mit einer klar definierten Fragestellung, einer Fachrichtung und wenigen engagierten Partnern zu starten. Wenn das funktioniert, wächst das Netzwerk fast automatisch weiter.


In 7 Schritten zum erfolgreichen Konsilnetzwerk

Der Aufbau eines Konsilnetzwerks lässt sich einfacher gestalten, wenn Sie die folgenden sieben Schritte berücksichtigen und in Ihre Planungen einbeziehen. Unsere Erfahrungen in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass eine gute Organisation die Basis jedes Konsilnetzwerks bildet. 

Fazit 

Erfolgreiche Konsilnetzwerke entstehen nicht durch Software allein. Unsere Erfahrungen aus verschiedenen Netzwerken zeigen, dass insbesondere drei Faktoren entscheidend für den langfristigen Erfolg sind: 

  1. eine klare Zielsetzung
  2. standardisierte und einfach umsetzbare Abläufe sowie 
  3. eine technische Lösung, die sich nahtlos in den klinischen Alltag integriert. 

Ebenso wichtig sind engagierte Partner, verbindliche Verantwortlichkeiten und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Einrichtungen. Genau diese Punkte haben sich in zahlreichen Projekten immer wieder als entscheidend erwiesen und bilden die Grundlage für eine nachhaltige, standortübergreifende Zusammenarbeit.

Nutzen Sie unsere Checkliste, um Schritt-für-Schritt den Aufbau Ihres Konsilnetzwerks zu planen. Gerne können Sie sich auch mit unseren Experten austauschen für weitere Erfahrungswerte und wertvollen Input zu Ihrer Umsetzung. 

Ähnliche Beiträge